Focusing

Focusing (lateinisch focus „Mittelpunkt, Brennpunkt“) wurde vom amerikanischen Psychotherapeuten und Philosophen Eugene T. Gendlin ursprünglich als “Selbsthilfetechnik”entwickelt. Ziel ist die Lösung persönlicher Probleme unter Zuhilfenahme veränderter körperlich orientierter Reaktionen und Empfindungen. Im Rahmen psychologischer Beratungstätigkeit kann Focusing gezielt als wertvolles Tool zur nachhaltigen Lösung tiefliegender Probleme eingesetzt werden.

Das Beratungskonzept

Focusing bedeutet mit dem Körper in den Dialog zu treten, ihm, so könnte man sagen, das Wort zu erteilen und eine Stimme zu geben. Focusing stammt aus den 1960er Jahren und erfährt erst seit Kurzem in der neurobiologischen Forschung ein ganz besonderes Remake!

Ein amerikanischer Lehrtrainer - ein in der Forschung tätiger Psychologe - sagte so treffend: „Noch vor 10 Jahren hätte ich Focusing als esoterisch abgetan - jetzt, mit den Erkenntnissen der Neurobiologie, finde ich diesen Ansatz phantastisch und lehre ihn mit Überzeugung.” Zuerst kommt der Körper. Die unmittelbare Bewertung durch den Kopf wird verzögert, damit sich zuerst eine Empfindung formen kann, die Bedeutungszusammenhänge übermittelt.

Eugene T. Gendlin vertrat die Meinung, dass der Körper seine eigene Interpretation von dem hat, was vor sich geht. Und das sei eine scharfsinnigere, vielschichtigere Wahrnehmung. Wir sprechen von unserem Körper häufig so, als wäre er eine physiologische Maschine, distanzieren uns von ihm, dabei sind wir als Körper und Person eins. Pater Anselm Grün meint zu Focusing: ”Focusing führt uns liebevoll in die Kunst ein, in den Körper hineinzustürzen und der eigenen Sehnsucht zu trauen.”

Gendlin geht im Focusing davon aus, dass die Bedeutung einer Situation sich zuerst im Körper repräsentiert und Teile davon erst später mental zugänglich werden. So kommt er zu den Grundaussagen, die Grundlage des Arbeitens mit Focusing bilden:
• Kein Fachmann kann mein Probleme lösen!
• Verarbeitung und Veränderung eigener Probleme muss keine Selbstquälerei sein!
• Mein Körper hat seinen eigenen Weg, Antworten und Lösungen zu finden!

Focusing - was ist das eigentlich?

Focusing fördert die natürliche Fähigkeit, ganz bewusst wieder mit sich selbst in Kontakt zu treten, um so den Kreislauf negativer Gedanken und Verhaltensweisen zu durchbrechen. Focusing wird als ganzheitliches Verfahren verstanden, das hilft, vages und unbewusstes Wissen zu nutzen. Das menschliche Gehirn empfängt und verarbeitet eine Menge von Informationen, die jenseits unseres alltäglichen Wissens und bewussten Erlebens liegen, was erklärt, warum in Konzentration auf ein Thema oder Problem spezifische körperliche Empfindungen entstehen, die Gendlin als ”Felt Sense” bezeichnet. Sie führen zu Erkenntnissen und in Folge zu neuen oder veränderten Handlungsschritten.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht also die ”Achtsamkeit”, das ”Hören auf den eigenen Körper”, dem Folgen der ”eigenen, inneren Stimme”. Ein zunächst vages körperliches Empfinden lässt sich in Bilder, Erinnerungen und Erlebnisse aufschlüsseln und einer Veränderung zuführen. Oft verbindet sich damit ein unmittelbares Gefühl der Erleichterung.

Weil sich im Focusing tiefgründige Zusammenhänge zeigen können, ist die Begleitung durch den psychologischen Berater angeraten. Der Focusing-Prozess fordert ein einfühlsames Mitgehen und Lenken. Das Klientenzentrierte Gespräch ist eine der sinnvollsten Ergänzungen, die diesen Prozess begleiten können.

Der Begleiter in einem Focusing-Prozess muss darauf bedacht sein, ”nicht im Weg zu stehen”, womit Gendlins wichtigste Regel genannt ist. Als Begleiter lernen Sie, Hilfesuchenden den Weg zum eigenen Empfinden zu öffnen. Es geht darum, in das Wissen des Körpers ”einzutauchen”, was vielen nur in Begleitung durch einen psychologischen Berater möglich ist.

Focusing entwickelte sich aus dem Klientenzentrierten Ansatz von Carl Rogers und darf als Vertiefung verstanden werden. Inwieweit es sinnvoll ist, diese Technik als "Selbsthilfe" anzuwenden, bleibt fraglich.
In Ansätzen begann bereits Rogers, Signale und Empfindungen der Klienten in seine Beratungen einzubeziehen und zu spiegeln. Zuhören bedeutete für ihn nicht, nur die Worte zu verstehen, sondern die ganze Person, so wie sie sich ganzheitlich zeigt. Zu erfassen und zu spüren, was im Klienten vorgeht und was dieser selbst nicht spürt, bezeichnete er als Empathie. Er wollte jedoch nicht interpretieren, sondern lernen, die Mitteilungen des Klienten aufzunehmen und unverfälscht wiederzugeben.


Sie lernen in der Ausbildung

• was erfolgreiche Klienten ”innen drinnen” anders machen
• die Sprache des Körpers als vorsprachliches Mittel
• der körperbezogene Ansatz als Türöffner
• der Focusing-Prozess: die Schritte im Focusing
• Sprachformen und Hilfen für Klienten (und Kursteilnehmer)
• Hinter/unter den Emotionen: den Felt-Sense entdecken
• Sich auf das Vage einlassen
• die Körper-Gehirn-Verbindung in Echtzeit-Schleife
• Veränderung motivationaler Schemata: wie Körperempfindungen emotionale Bewertung verändern helfen
• Aktivierung von Ressourcen
• prozessuale Problemaktivierung
• Aufmerksamkeitslenkung auf bisher unbewusste psychische Prozesse
• Verankerung der korrektiven emotionalen Erfahrung
• von der Passivität in die Aktivität: Handlungsorientierung als Ziel


Für wen eignet sich die Ausbildung?

Berater, Coaches, Sozialpädagogen, Gesundheits- und Krankenpfleger, Psychologen, Psychotherapeuten, Personal- und Organisationsberater, Heilpraktiker … zählen zu den Berufsgruppen, die hier angesprochen werden und profitieren.

Themen der Ausbildung

Neben den theoretischen und einigen wenigen vorgegebenen praktischen Lerneinheiten, die Ihnen erleichtern sollen, das Focusing einzuüben, haben Sie in diesen beiden Ausbildungsteilen die Möglichkeit, eigene Themen in den Übungsprozessen einzubringen. So kann Wirkung und Ergebnis des Arbeitens mit Focusing zu einer bleibenden Erfahrung werden.

Die Focusingausbildung umfasst 2 Wochenenden

Neben den neuen Vorgehensweisen des Focusing werden die Techniken des Klientenzentrierten Gesprächs herangezogen, erweitert und vertieft. Auch nach diesen Abschnitten sind wieder Sie selbst gefordert, das erworbene Wissen in Ihrer Praxis einzuüben, um in weiterführenden Ausbildungseinheiten darauf aufbauen zu können. Denn nachfolgend wird Hypnose zur Verankerung von Erkenntnissen und Veränderungswünschen im Vordergrund stehen. Hypnose kann als eine gesteigerte Form fokussierten Arbeitens betrachtet werden und ist eine logische Fortführung im Bestreben, mit Klienten nachhaltig zu arbeiten.

Termine und Preise

Kursdauer: 4 Tage - meist verteilt auf 2 Wochenenden
Termine: gehen Sie zu Termine & Veranstalter
Voraussetzung: keine
Kursgebühr: 790 €

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